Vesna Goldsworthy

via amazon.de

Heimweh

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2006 via perlentaucher.de

Eine ebenso "politisches" wie "persönliches" Buch erblickt Marion Löhndorf in Vesna Goldsworthys Erinnerungen an ihre Heimat Jugoslawien. Sie berichtet über den Lebensweg der 1961 geborenen Autorin: glückliche Kindheit und Jugend in Jugoslawien, 1986 Umzug nach London, Karriere beim BBC, Mutter eines Sohnes, dann der Krieg auf den Balkan und eine Krebserkrankung. Von England aus muss Goldsworthy mit ansehen, wie ihre Heimat zerfällt, Lebensform und Lebenswelt ihrer Jugend verschwinden. Löhndorf sieht das politische und historische Bewusstsein der Autorin vom "Gefühl des Verlusts und der Sehnsucht" geprägt. Spürbar ist für sie immer auch die "intellektuelle und emotionale Anstrengung" der Autorin, Flüchtiges und Verlorenes lebendig machen zu wollen - die eigene durch Krankheit gefährdete Existenz, die Familiengeschichte, ihre Identität und das verlorengegangene Gefühl der nationalen Zugehörigkeit. Auch das Leben und Empfinden in einem anderen Land und das Schreiben in einer fremdem Sprache rücke oft ins Zentrum ihrer Beschreibungen. "Die Suche nach der verlorenen Welt", schließt die Rezensentin, "wird schließlich zur Suche nach dem verlorenen Ich."

druckfrisch

druckfrisch : Denis Scheck stellet neue Bücher vor.

Druckfrisch Die ganze Sendung vom 27. Februar 2011

Peter Kurzeck : Vorabend

Denis Scheck - Empfehlungen in der Buchhandlung : Jonathan Lethem: "Chronic City", Verlag Tropen bei Klett-Cotta : see also lichtconlon.posterous.com/chronic-city

perlentaucher.de : Jonathan Lethem, Chronic City

Check out my latest tweets and my diary

Henry David Thoreau

* 12. Juli 1817 in Concord, Massachusetts; † 6. Mai 1862 ebenda) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph.

online Reader: http://www.gutenberg.org/catalog/world/readfile?fk_files=1441721&pageno=1

  • Walden oder Leben in den Wäldern. Aus dem Amerikanischen von Emma Emmerich und Tatjana Fischer. Diogenes, Zürich 1971, ISBN 3-257-20019-6
    • Auch als: Walden oder Hüttenleben im Walde. Übersetzt von Fritz Güttinger. Manesse, Zürich 1972, ISBN 3-7175-1440-7
      • Auch als: Walden. Ein Leben mit der Natur. Übersetzt von Erika Ziha. Dtv, München 1999, ISBN 3-423-12684-1

Philippe Dijan

Schwarze Tage, weiße Nächte/ 2002

Rezension

Inhalt:

Endlich ein neuer Roman von Philippe Djian, Kultautor aus Frankreich seit "Betty Blue"!

Und wieder geht es um einen verzweifelten Schriftsteller, um seine tiefe Trauer um seine tote Frau, um Sex, in den er sich verzweifelt flüchtet - und letztlich um den Zusammenbruch aller Illusionen bis hin zum klassischen Djian'schen showdown mit der irrsinnigen Tat einer Frau, die den Wahnsinn des Lebens nicht mehr erträgt.

Noch stärker als früher widmet sich Djian in "Schwarze Tage, weiße Nächte" dem Sex. Viel detaillierter und pornografischer die Szenen, neben denen die eigentliche Geschichte des Romans verblasst. Leider bewirken Djians Versuche, diese zu retten, vielmehr das Gegenteil, so dass man den Eindruck gewinnt, dass noch weniger mehr gewesen wäre: Vielleicht hätte Djian gut daran getan, noch spartanischer aus der Welt der Schriftsteller, Agenten und Verlage zu berichten, um die Erotik des Buches nicht unnötig zu kontrastieren.

Unvermindert bewundernswert dagegen Djians schriftstellerische Leistung, mit der er die innere Welt seines Helden schildert. Ganz vorsichtig lässt er seinen Ich-Erzähler Francis offenbaren, dass seine Frau Edith sowie die Kinder bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Meisterhaft schildert Djian das Unfassbare und die Trauer seines Helden und schickt Francis in eine Scheinwelt, in der dieser nach wir vor mit seiner Frau kommuniziert und er sie somit am Leben erhält. In jenen "Zwiegesprächen" rät ihm Edith, einen Porno zu drehen, mit Nicole, der Frau von Francis Freund Patrick - einem sehr berühmten Schriftstellerkollegen. Wie besessen steigert sich Francis schließlich hinein in diese Obsession, in seinen Kampf gegen die Trauer - bis alles schließlich im Wahnsinn endet.

Ein Roman, der pocht und pulsiert, ganz unverhohlen und ganz Djian! (Christa Roßmann)

Bewertung: ***/****  

( * schlecht / ** ganz gut / *** gut / **** spitze)

www.buecher4um.de

Genazino - Ein Regenbogen für diesen Tag

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.08.2001

Es gibt viele Gründe, den 1943 geborenen Autor Wilhelm Genazino zu lesen, jubelt Andreas Nentwich. Das neue Werk jedenfalls hält der Rezensent für ein "wunderlich-poetisches, irrwitzig komisches kleines Buch, in dem der Autor ganz diskret, aber anspruchsvoll Reflexionen über die Entstehung von Wahrnehmung, Erinnerung, Lust und Unlust anstelle und ironisch, aber entschlossen Partei für die Verrückten, Gestrandeten und Verlierer ergreife. So einer ist auch der Protagonist in "Ein Regenbogen für diesen Tag". Der genießt nämlich das Leben - als Flaneur und ständiger Denker, ein ewiger "Spaziergänger mit geringem gesellschaftlichen Nutzwert", der seinen spärlichen Lebensunterhalt mit dem Probelaufen von Luxusschuhen durch die Business-Metropole Frankfurt bestreitet und sich mit dieser Existenzform, die die Ansprüche der Leistungsgesellschaft deutlich unterläuft, pudelwohl fühlt, berichtet der Rezensent. Einfach herrlich, schwärmt Nentwich, der Genazinos "Worterotik" und Wortwitz gar nicht genug loben kann und die "wunderbar fußläufigen" Sätze des Autors voller Genuss aufgesogen hat.